Dienstag, 7. Oktober 2014

Zu Gast auf Hansch'Hus, im September 2014.

Die Hütte in der Schweiz, ohne Strom und ohne heißes Wasser.

Wieder dort.

Wir bauen eine Sauna im Wald, aus Plastik-Planen, Decken, Tannenzweigen und Holz. Wir wandern zu dem Berg-Dorf, in dem es Apfelmost gibt. Auf dem Weg dorthin schwärmen wir in Erinnerungen an den Apfelmost. Oben sind wir ein bisschen enttäuscht, dass der Apfelmost, den wir so gut in Erinnerung behalten hatten, gar nicht selbst gemacht ist. Oben ist es kalt, es zieht und ist windig. Wir haben eine Trompete mitgebracht. Wir stoßen an, mit Apfelmost.

Unten in der Hütte, in der wir schlafen: Da haben wir nicht nur eine Trompete, sondern dazu drei Gitarren, eine Cajón, zwei Ukulelen und eine Kazoo.

Wir sind Martin, Dani, Marissa, Maria, Philipp, Johannes, Miriam, Amélie, Johanna, Samira, noch ein Martin, Eugen, Martina, Alex, Simon. Marissa ist meine längste Freundin und das sind all die Freunde, die wir über die Jahre hinweg zusammen gesammelt haben.

Aus dem Fenster sieht man grüne Hügel, dunkel-grüne Wälder. Graue Gipfel, langsam werden sie weiß. Von draußen hört man Gelächter, von oben hört man jemanden Tischtennis spielen. Die Treppe ist alt und knarzt, eine Stufe bricht ein. Es gibt eine Dusche im Freien, steht man in ihr, sieht man die Scesaplana, den höchsten Berg um uns herum.

Weil wir die Zeit vergessen oder weil es dort keine Zeit gibt, brechen wir spät auf an einem Tag. Wir wandern los, besuchen eine Alm. Als es langsam dunkel wird, gehen wir zurück zur Hütte, Hansch'Hus ihr Name. Im Halbdunkel schreiten wir über die grünen Hügel an anderen, ebenso alten und ebenso schönen Hütten vorbei, über einen Fluss, einen Berg hinab, einen anderen hinauf. An einem Bienenstock vorbei. Wir sammeln Frauenmantel und daraus machen wir Tee.

Der Kamin raucht, im Ofen ist Holz. Einen Tag zuvor oder einen danach waren wir im Wald. Es hat geregnet und wir haben Holz gesammelt und gehackt. Wir haben ein Lagerfeuer gemacht, unten am Fluss. Im Feuer lagen Steine, die Steine haben wir dann in unsere Sauna gelegt und mit Wasser übergossen. Der Dampf riecht nach Minze oder Thymian, ist heiß und bleibt nicht lange in unserer Sauna.

Der Berg, über den die Sonne wandert, das ist der Katschlag. Zumindest vermute ich das. Das Mädchen mit der schönen Jacke und dem schönen Kleid, das ist Martina. Mit Apfelmost stoßen an: die beiden Martins, Amélie, Philipp und ich. Eugen schläft auf dem Sofa in der Stube.

Oben an der Straße stehen fünf Autos mit einem Memminger Kennzeichen.

Ein Platz voller Erinnerungen, jedes Jahr neue.
Wieder dort, wieder zurück.
Immer wieder und immer wieder gleich.




































Samstag, 4. Oktober 2014

Donnerstag, 29. Mai 2014

Zu Gast in einem Gewächshaus

Letztes Wochenende, irgendwo im Knoblauchsland: In einem Tomaten-Gewächshaus hat Yasmin eine lange Tafel gedeckt und 30 Fremde eingeladen, sich bekochen zu lassen.

Am Eingang: Mona.

Im Eingangsbereich ruhen wir uns auf gemütlichen Paletten aus und bekommen Prosecco mit Waldmeister serviert. Man unterhält sich leise. Ein älteres Ehepaar erzählt, sie würden heute ihren Hochzeitstag feiern. Ein bisschen später bekommen wir eine kalte Kohlrabi-Suppe. Irgendwann werden wir hineingebeten ins Gewächshaus. Drinnen ist es angenehm warm, viel wärmer als im Eingangsbereich. Wir gehen den langen Korridor hinab und nehmen an der langen leeren Tafel Platz. Jeder hat ein Glas bekommen, manche haben ihren Namen auf das Namensschild geschrieben. Im Glas ist Erdbeer-Rhabarber-Saft oder Apfel-Fenchel-Saft.

Während wir an der langen Tafel sitzen, kocht der Koch Dave vier Gänge. Tanja, Birthe und Jana bringen sie zu uns an den Tisch. Zuerst gibt es einen Quinoa-Salat mit Spargel, dann knusprigen Sellerie mit Blumenkohl, Spinat und Gewürzkirschen, zwischendurch ein köstliches Tomaten-Sorbet und danach eine Wirsingroulade, gefüllt mit rotem Reis und Feta.
 
Langsam wird es dunkel im Gewächshaus.
Langsam wird es Zeit für die Nachspeise: Kathrin bereitet Rhabarber Religieuse zu. Das sind zwei Windbeutel mit einer Rhabarber-Füllung, die mit Blumen garniert werden. Bald stehen davon 30 verschiedene auf der langen Tafel. 

Dann gibt es Kaffee im Eingangsbereich, vielleicht eine Zigarette zwischendurch. Man sitzt noch ein bisschen im Gewächshaus danach, trinkt sein halbvolles Weinglas noch aus. Schenkt Handynummern und Visitenkarten her und geht zufrieden nach Hause.

Danke für den schönen Abend, Yasmin.

































Dienstag, 6. Mai 2014

Unterwegs mit einem Wohnmobil

Wir haben uns was zu essen eingepackt und sind durch die Stadt gefahren, mit lauter Musik. Tanja und ich sitzen hinten, die Polster sind weich und alt. Dom fährt das riesige Wohnmobil und Tatjana raucht eine Zigarette. An einer Kreuzung kommt Jojo dazu. Im Wohnmobil gibt es eine Ziehharmonika, ein kleines Moped, am Boden liegt ein Motor für ein Boot. Während wir fahren wehen die Vorhänge im Wind und die Sonne blendet durch die staubigen Fenster. Am Kanal sitzen wir in Klappstühlen. Wir pflücken Blumen und flechten Kränze.

Ein Sonntag, wie ein Sonntag eben sein sollte.














Donnerstag, 27. März 2014

Zu Gast in der B23

Wenn ich einmal an der Stadtmauer entlang fahre, einmal an der Burg vorbei und einmal einen schmalen steilen Weg nach unten, dann komme ich zu Tanja. Dauert fünf Minuten, ist ein Katzensprung. Vielleicht bin ich diesen Weg fünfzig Mal gefahren, vielleicht viel seltener. Klingel ich an der Türe, höre ich schnelle Schritte, wie sie den Gang entlang gerast kommen.

Die Wohnung, in der Tanja wohnt, hat sechs Zimmer: Eins für Bene, eins für Julian, eins für Tatjana, eins für Hannah, eins für Dom. Aus dem sechsten Zimmer hat jemand zwei Zimmer gemacht. Eine Hälfte für Tanja, die andere für Dimo. Aus der Speisekammer hat jemand ein Esszimmer gemacht, ein Esszimmer für sieben Personen. Ein Fenster geht von Esszimmer zu Bad. So kann ich Hannah unter der Dusche singen hören, während Tanja kocht. Im Gang steht ein Mofa, auf dem Balkon zwei Stühle und sieben Bierkästen.

Das Zimmer, in dem Tanja wohnt. Ein kleines Bild an der Wand schreit laut Heimat. Tanja sagt, sie mag es, dass sie in ihrem Zimmer die Tram spürt, wenn sie unten an der Straße vorbeifährt. Tanja sagt, ihr fehlt der Regen und dass sie ihn nicht hören kann in der Stadt. Auf dem kleinen Bild an der Wand steht Allgäu.

An jeder Zimmertüre hängen kleine Nettigkeiten, farbige Fotos. Geburtstage werden hier vierteljährlich gefeiert und keiner sitzt je alleine in der Küche und raucht.

Gestern abend lauschte ich dem Gelächter von Bene, Julian und Tanja. Und wollte noch viel mehr fotografieren und viel mehr schreiben. Über die B23 und ihre liebenswerten Bewohner.